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31.07.2010 11:48 Alter: 36 Tage

München

Von: Frank Henschker

"Despothismus" in Riem fordert Opfer

Der Rennverein und seine Vergangenheit

Der ehemalige Jockey Christian Czachary ersetzt ab August Harald Schneider als Renntechniker im Münchner Vereinssekretariat. Wer dazu jüngst das Czachary-Interview in der SPORT-WELT las, glaubte sich in eine surreale Parallelwelt versetzt. Kein Wort über die tatsächlichen Geschehnisse im Riemer Mikrokosmos, sondern relativ heile Welt. Anders die Münchner Lokalpresse, vor allem die ABENDZEITUNG (AZ), während die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (SZ) sich mit kurzen Andeutungen begnügte. Die Perspektive in Riem sei trist und die Stimmung gereizt, schrieb die SZ. Durch den straffen Führungsstil des Neu-Präsidenten Dr. Norbert Poth sei es zu größeren personellen Problemen in Form von Kündigungen gekommen. Die AZ ging auf den Zoff hinter den Kulissen wesentlich mehr im Detail ein:

 

http://www.abendzeitung.de/sport/lokalsport/200834

 

Um an den Kern des Riemer Problems heran zu kommen, müssten die Vertreter der Münchner Tageszeitungen jedoch um einiges tiefer graben. Bei der inhaltlichen Vergangenheitsbewältigung scheut Norbert Poth jedenfalls keine Mühen und Kosten. Für das Kappen alter Seilschaften im Mikrokosmos wäre es grundsätzlich die beste Lösung gewesen, mit einem neuen, kommerziell orientierten Rennbahnbetreiber und völlig neuem Personal zu starten. Weil das nicht ging, muss der neue Präsident nun scheibchenweise Veränderungen durchführen. Eine gleichermaßen schwierige wie undankbare Aufgabe, weil er dabei ziemlich allein steht. Auch seinen Vorstand kann sich ein neuer Rennvereins-Präsident nicht immer nach Belieben zusammenstellen, da er dabei ähnlich wie ein Bundeskanzler auf vielerlei Interessen und Besonderheiten Rücksicht nehmen muss. Es ist aber notwendig, nicht einfach im alten Stil weiterzumachen. Die Entschuldung des Rennvereins war ja nicht durch eine unternehmerische Leistung, sondern nur durch den Verkauf von Tafelsilber gelungen, und deshalb wäre man mit den alten Methoden sicher bald wieder tief in den Miesen. Norbert Poth darf jetzt nicht auf halber Strecke stehen bleiben, sondern muss seine Linie konsequent durchziehen.