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24.07.2010 09:46 Alter: 43 Tage

Rom

Von: Frank Henschker

Ullmanns optische Täuschung

Dem Galopper-Dachverband droht die Auflösung

In seiner jüngsten Derby-Rede betonte Georg von Ullmann, es sei für unsere Besitzer und Aktiven eine große Erleichterung gewesen, dass die Finanzprobleme des für Deutschland so wichtigen italienischen Rennsportes gut hätten gelöst werden können. Diese Interpretation würde in Italien selbst sicher niemand teilen, denn tatsächlich ist das genaue Gegenteil der Analyse des rheinischen Barons der Fall. Wegen der wachsenden Unterfinanzierung brennt seit Monaten im Italo-Turf der Pinienbaum, und der Landwirtschaftsminister hat deswegen sogar mit der Auflösung des Pferdesport-Dachverbandes UNIRE (für Galopper, Traber und Turniersport zuständig) gedroht.

 

Im ersten Halbjahr 2010 brach der Wettumsatz erneut um 12 % gegenüber dem Vorjahr ein, was die Krise nur noch verschlimmert. Landwirtschaftminister Giancarlo Galan kritisiert zurecht, dass UNIRE trotz der staatlichen Subventionen mit dem Geld nicht auskomme und hoffnungslos verschuldet sei. Folglich stand Ende Juli noch nicht einmal der Haushalt für das laufende Rennjahr. 2009 und 2010 hatte die Regierung dem Rennsport mit jeweils 150 Millionen Euro aus der Spielautomatensteuer ausgeholfen. Besonders sauer stieß dem Minister auf, dass UNIRE auch noch zusätzliches teueres Personal eingestellt hatte. Insider glauben, dass Galan allein schon deshalb anti-Turf eingestellt sei, weil sein von ihm ungeliebter Rennsport-affiner Vorgänger dafür gewesen sei. Ein italienischer Kollege von uns schrieb neulich, dass die Atmosphäre zwischen UNIRE und dem Minister eher der zwischen Stier und Torero ähnele. Dieser Vergleich trifft es ziemlich gut.

 

Die Zukunft des italienischen Pferderennsports und seines Dachverbandes beschäftigt auch das römische Parlament. Im letzten Mai wollte der Minister UNIRE unbedingt auflösen; diese Meinung vertritt er auch jetzt noch, doch zuvor will er dem neuen Chefmanager, der im September anfangen soll und der wie immer von der Regierung eingesetzt wurde, noch eine Chance geben. Von der Politik wird es allen Ernstes als eine mögliche Alternative angesehen, den Pferderennsport künftig in der direkten Verantwortung des Landwirtschaftsministeriums zu organisieren. Der Minister wolle damit die hohe Miete für den Protzbau von UNIRE und für teueres Personal einsparen. Ob der Turf wirklich besser funktionieren würde, wenn Beamte aus dem Ministerium dafür zuständig wären? Vielleicht eher eine Drohkulisse seitens der Politik. Wie auch immer, die Zukunft des italienischen Turfs bleibt mehr als ungewiss. Mal sehen, was Georg von Ullmann im Jahre 2011 über den Turf auf dem Apennin denken wird.