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25.02.2010 17:42 Alter: 193 Tage

St. Moritz

Von: Frank Henschker

RaceBets muss nicht auszahlen

Was den White Turf von Baden-Baden unterscheidet

Im Düsseldorfer MedienHafen am Rheinufer ist Christian von der Recke seit dem letzten Sonntag noch beliebter als zuvor. Der dort ansässige Internet-Buchmacher RaceBets hatte die gute Idee aufgegriffen, eine Siegwette auf ein Recke-Doppel im Großen Preis von St. Moritz und eine Woche später im spanischen Mijas Cup anzubieten. Nachdem Bucked Off im Engadin nur Vierter wurde, bleibt diese Einnahme schon mal im Sack. Zu den Chancen an der Costa del Sol sagte der Weilerswister dem Verfasser dieser Zeilen für eine Vorschau in der spanischen Rennzeitung unter anderem dies: ?Andreas Helfenbein wird Classical Song reiten. Die lange Pause seit dem letzten Start ist nur darauf zurückzuführen, dass kein passendes Rennen mehr für ihn da war. Der neunte Platz in einem Pariser Listenrennen hängt mit dem Rennverlauf zusammen.? Der Trainerchampion ist für Spanien also optimistisch, die Siegdotierung von 51.000 Euro nach Hause zu holen; zweimal (2002 und 2008) hat Recke dieses Rennen schon gewonnen. 20 Vollblüter betreten am kommenden Sonntag um 13.40 Uhr die Startmaschine im letzten der fünf Rennen in Mijas, wobei der vierbeinige Recke aus Box 9 hoffentlich abgeht wie Schmitz' Katze.

 

Im Engadin waren neben Christian von der Recke von der Trainerprominenz auch noch Peter Schiergen und Andreas Wöhler vor Ort. Das omnipräsente RaceBets war durch den hauseigenen Jockey Filip Minarik vertreten, doch der große Star am Finaltag war sein Kollege Frankie Dettori. Bei der Pressekonferenz vor dem Renntag versprach der Italiener, im Falle eines Sieges im Grand Prix nicht nur den Jump zu zeigen, sondern auch die Bobbahn runter zu fahren. Diese Wette musste er Gott sei Dank nicht einlösen, denn im Hauptrennen landete er nur unter ferner liefen. Dafür er gewann er gleich die einleitende Prüfung auf dem Schimmel Sweet Venture  und bewies dabei in eindrucksvoller Weise, dass ein Spitzendompteur wie er auch mal einen schwarzen Panther in Schach halten kann. Eddie Pedroza hielt sich dafür im Hauptereignis schadlos. Dettori war von Dubai aus ins Engadin eingeflogen worden, und einem seiner zahlreichen Landsleute unter den Zuschauern antwortete er auf die eher scherzhafte Frage nach dem Temperaturunterschied: ?Eine Winzigkeit wärmer ist es dort!" Rennkommentator Michael Luxenburger, ein harmloser Vertreter des Riemer Mikrokosmos, konnte am Sonntag wieder reichlich seinen Kultspruch über das jeweilige Schlusslicht des Rennens anbringen: "There's only white snow behind him!" Dass Luxi nach dem Grand Prix den Gewinner Andreas Wöhler als "Trainer in Bremen" vorstellte, nahm ihm auch keiner krumm.

 

Nachdem sich im Vorjahr wirklich alles gegen den Veranstalter verschworen hatte, war es diesmal wieder ein perfektes Meeting. Alle drei Sonntage fanden bei tollem Wetter statt und stets mit fünfstelliger Besucherzahl. Am Schlusstag waren es 13.000. Von der Pressetribüne aus konnte man unter ihnen auch Hans-Heinrich von Loeper entdecken, den Halm-Vorgänger aus den achtziger Jahren. Ob er sich auf dem See Anregungen für seine Kolumne in der Rennzeitung holen wollte? Da dürfte er richtig fündig geworden sein, vor allem im Hinblick auf das Marketing. Auch für Studenten von BWL und Sportmanagement wäre der Vergleich von Baden-Baden mit St. Moritz ein lohnendes Objekt. Die Engadiner haben sich bei der Markenführung der Marke White Turf stets auf die Werthaltigkeit ihres Produkts konzentriert und dabei Klasse vor Masse gesetzt. Eine Ausweitung des Meetings mit mehr Rennen war deshalb im Engadin nie ein Thema und wird es auch künftig unter dem neuen Präsidenten Silvio Staub nicht werden. Ganz anders Iffezheim, das seine Meetings und Rennanzahl immer weiter vervielfältigt hatte und dabei die Qualität der Galopprennen, aber auch des Drumherums aus den Augen verlor. Weil in der Schweiz der Wettumsatz nicht das A und O ist, steht und fällt der White Turf mit dem Sponsoring. Gleich am Eingang prangte diesmal ein neues großes Schild mit der Urkunde, die dem White Turf Klimaneutralität bescheinigt. Das gibt den Sponsorengästen im VIP-Zelt nun das beruhigende gute Gewissen beim Genießen von Hummer und Champagner.  

 

Für das Sponsoring des Events unerlässlich ist das enorme Medienecho im In- und Ausland; durch die Verpflichtung von Frankie Dettori war man diesmal sogar in der Racing Post auf der Titelseite. Die professionelle Betreuung der Medienvertreter ist etwas, was den White Turf nicht nur von Baden-Baden unterscheidet. Baden-Badens Bürgermeister Wolfgang Gerstner war übrigens persönlich auf dem St. Moritzersee, um für seine Kurstadt Werbung zu betreiben. Bei der abschließenden Verlosung von Preisen für das Publikum gewann zur allgemeinen Erheiterung ein Bürger aus Liechtenstein einen Aufenthalt in Baden-Baden. Bisher fanden Reisen zwischen diesen beiden Plätzen doch eher in der umgekehrten Richtung statt. Der zweite Preis war ein BMW-Fahrtraining, und zwar am Polarkreis! Den ersten Preis dürfte der Glückliche dann tatsächlich als Gewinn und nicht als Strafe empfunden haben: eine Woche im Luxushotel auf der Insel Mauritius. Die Pferdebesitzer gehen im Engadin ebenfalls nur selten leer aus, denn die ersten Sechs jedes Galopprennens bekommen vom Veranstalter White Turf einen offiziellen Rennpreis. Jeder Siebte erhält vom weiterhin bestehenden Rennverein St. Moritz wenigstens noch eine Prämie. Im Fliegerrennen beim Finale betrug diese für den Vorletzten immerhin noch 600 Franken, also rund 400 Euro.